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Dr. Thomas Bischof

Ein Ingenieur, ein Getriebe und die Kardinalfrage

Ich bin Thomas Bischof, Dr.-Ing. und Inhaber des Ingenieurbüros, das meinen Namen trägt. Sechsundzwanzig Jahre habe ich bei ZF Friedrichshafen die akustische Methodenentwicklung verantwortet, zuletzt als Manager NVH & Dynamics und Leiter des konzernweiten Expert-Teams Akustik. Das eigene Ingenieurbüro führe ich seit 2002, seit 2022 hauptberuflich.

Angefangen habe ich in der optischen Messtechnik: am Bremer Institut für angewandte Strahltechnik habe ich holografische Interferometrie mit Finite-Elemente-Rechnungen gekoppelt, um Fehler in Klebverbindungen, Faserverbundbauteilen und Druckbehältern zerstörungsfrei zu finden. Das war auch das Thema der Promotion an der Universität Bremen, an die sich ein Forschungsaufenthalt am Worcester Polytechnic Institute in Massachusetts anschloss; aus diesen Jahren stammen über fünfzehn Veröffentlichungen zur holografischen Interferometrie. Geblieben ist davon eine Haltung: eine Messung wird erst dann zur Aussage, wenn Modell und Experiment aufeinander zeigen.

Bei ZF kamen die Antriebsstrangakustik, die Systemakustik und die Ursachenanalyse in der End-of-Line-Prüfung hinzu. Sieben Jahre lang war ich zugleich Obmann des FVA-Arbeitskreises NVH, eines bundesweiten Zusammenschlusses von Firmen mit dem Ziel, ihre vorwettbewerblichen Forschungsaktivitäten zu koordinieren. Aus diesen Erfahrungen heraus habe ich in den letzten drei Jahren die Weiterentwicklung der bereits etablierten Methoden verstärkt vorangetrieben und die Ergebnisse in die Analyseplattform s2m einfließen lassen: relative Übertragungsfunktionen und Zahneingriffsanregungen sowie die automatisierte Zuordnung einer Auffälligkeit zu ihren möglichen Verursachern. Die Initialzündung meines Ingenieurbüros war die Entwicklung des AutoPlotters, eines Werkzeugs für die automatisierte Auswertung von Geräuschmessungen, das ich seit 2002 vertrieben und dessen Quellen ich inzwischen an ZF verkauft habe.

Unverändert geblieben ist die Frage am Ende jeder Kampagne: Können Sie das Bauteil benennen, das die Probleme verursacht, und können Sie zeigen, warum. Entsprechende Methoden wurden entwickelt, um diese Antwort belastbar zu machen und nicht bloß plausibel.

Werdegang

Basis der Methodenkompetenz

Die Stationen nach ihrem Anfangsjahr, und die Arbeiten, die daraus entstanden sind.

  1. 1983

    Studium Theoretischer Maschinenbau, Universität Kaiserslautern

    Schwerpunkte: Maschinendynamik, Modalanalyse, numerische Verfahren, technische Mechanik, Regelungstechnik und Strömungsmechanik.

  2. 1988

    Diplomarbeit bei der Tecmath GmbH, Kaiserslautern

    Über Datenreduktionsverfahren in der Betriebsfestigkeit.

  3. 1989

    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am BIAS, Bremen

    Am Bremer Institut für angewandte Strahltechnik die Kopplung numerischer Berechnungsverfahren mit Messergebnissen, hybrides Arbeiten, lange bevor der Begriff üblich wurde. Konkret der Abgleich von Finite-Elemente-Rechnungen mit Verschiebungsmessungen aus der holografischen Interferometrie: das Modell sagt ein Verschiebungsfeld voraus, das Interferogramm misst es, und wo beide auseinandergehen, stimmt das Modell nicht. Über 15 Veröffentlichungen dazu, darunter ein Beitrag zur holografischen Interferometrie an Klebverbindungen im Handbuch Fertigungstechnologie Kleben.

  4. 1994

    Promotion an der Universität Bremen

    Zum Dr.-Ing., mit den Schwerpunkten zerstörungsfreie Prüfung, digitale Bildverarbeitung und holografische Interferometrie; die Dissertation erschien 1994 im VDI-Verlag, Fortschritt-Berichte Reihe 8, Nr. 398.

  5. 1994

    Forschungsaufenthalt am Worcester Polytechnic Institute

    Post-Doc am WPI in Worcester, Massachusetts. Thema war weiterhin die Verbindung von holografischer Interferometrie und Finite-Elemente-Rechnung, dieselbe Kopplung von Messung und Modell, die später die Getriebeakustik tragen sollte.

  6. 1995

    ZF Friedrichshafen: Manager NVH & Dynamics

    Sechsundzwanzig Jahre Getriebe- und Antriebsstrangakustik: Leiter des konzernweiten Expert-Teams Akustik, verantwortlich für die Grundlagenforschung im Bereich NVH. Inhaltlich NVH-Methodenentwicklung, also automatisierte Auswertung, neue Auswerteverfahren, der Abgleich zwischen Simulation und Messung und das Ausloten der Grenzen beider: wo trägt ein Modell, wo trägt eine Auswertemethode nicht mehr. Dazu der Wissenstransfer in die Geschäftsbereiche, von der Konzeption der Schulungen bis zu ihrer Durchführung. Verantwortlich für die Etablierung von Luftschallempfindlichkeit, Transfer Path Analysis und Blocked Forces als Methoden im Konzern. Als Projektleiter verantwortlich für eine Anwendung, die auf einer zentralen Verwaltung der ZF-Akustikgetriebemodelle aufsetzte und damit eine schnelle Ursachenanalyse auffälliger Getriebe erlaubte, im Einsatz an allen ZF-Standorten mit EOL-Prüfständen.

  7. 2002

    AutoPlotter, automatisierte Auswertung als Produkt

    Parallel zur Anstellung führe ich seit 2002 das eigene Ingenieurbüro, zunächst nebenberuflich. Daraus entstand AutoPlotter: ein Softwareprodukt für die automatisierte Auswertung von Geräuschmessungen, aufgesetzt auf PAK, der Messsoftware von Müller-BBM. Die Quellen sind inzwischen an ZF verkauft.

  8. 2008

    Lehrauftrag Maschinenakustik

    Lehrbeauftragter für Maschinenakustik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Das Vorlesungsskript entstand aus den Schulungen, die ich bei ZF zur Getriebeakustik hielt; was sich im Hörsaal als tragfähig erwies, floss zurück in die Schulungsunterlagen.

  9. 2011

    End-of-Line-Prüfung und ordnungsbasierte Auswertung

    Lokalisation akustisch auffälliger Getriebelager am EOL-Prüfstand und Ursachenanalyse innerhalb der Sekunden, die eine Fertigungslinie hergibt. 2015 auf dem 22. ICSV in Florenz die Ableitung der relativen Übertragungsfunktion und der relativen Zahneingriffsanregung aus Rampenmessungen, der unmittelbare Vorläufer der heutigen Auswertung.

  10. 2015

    Obmann des Arbeitskreises NVH der FVA

    Sieben Jahre Leitung des Arbeitskreises NVH in der Forschungsvereinigung Antriebstechnik in Frankfurt am Main, Getriebeakustik nicht nur im eigenen Haus, sondern als gemeinsame Fragestellung der Branche.

  11. 2016

    Patente zur automatisierten Ursachenzuordnung

    Unter anderem ein Verfahren, das mögliche Verursacherquellen automatisiert einer akustischen Auffälligkeit einer rotationssynchronen Geräuschquelle zuordnet, ein Verfahren zur Detektion defekter Lager sowie Körperschall- und Bewegungssensorik aus elektroaktivem Verbundmaterial.

  12. 2022

    Ingenieurbüro Dr. Thomas Bischof, hauptberuflich

    Seit 2022 ist das Büro in Graben-Neudorf meine hauptberufliche Tätigkeit: Werkzeuge zur Automatisierung von Auswerteprozessen, automatisierte Bewertung akustischer Messungen, Ursachenanalyse auffälliger Maschinengeräusche. Die Methode steckt heute in s2m, das Messdaten, kinematische Modelle und jeden Analyselauf trägt und ein Ergebnis Monate später reproduzierbar macht.

Ausgewählte Arbeiten

Veröffentlichungen und Patente

Eine Auswahl, neueste zuerst. Die vollständige Liste steht bei Google Scholar.

  1. 2024

    Patent

    Vorrichtung und Verfahren zum Generieren einer Drehzahleinstellung einer Werkzeugmaschine

    DE 10 2023 202 705 A1, mit D. Stock und J. Glitza

  2. 2023

    Aufsatz

    The dynamics of tapered-roller bearings — a bottom-up validation study

    Strojniški vestnik – Journal of Mechanical Engineering 69(7–8), mit M. Razpotnik und M. Boltežar

  3. 2022

    Patent

    Verfahren zur Ermittlung eines Verdrehspiels in einem Getriebe und Getriebeanordnung

    DE 10 2021 205 346 A1, mit J. Pescheck und A. Lauer

  4. 2017

    Patent

    Verfahren zum automatisierten Zuordnen möglicher Verursacherquellen zu einer akustischen Auffälligkeit einer rotationssynchronen Geräuschquelle

    DE 10 2016 206 809 A1, mit A. Meier-Koll

  5. 2017

    Patent

    Verfahren zur Detektion defekter Lager

    DE 10 2016 210 547 A1

  6. 2017

    Vortrag

    Improvement of the blocked force method by considering the cross & moment

    DAGA, Kiel, mit L. Trampus

  7. 2015

    Aufsatz

    The influence of bearing stiffness on the vibration properties of statically overdetermined gearboxes

    Journal of Sound and Vibration 351, mit M. Razpotnik und M. Boltežar

  8. 2015

    Vortrag

    Deriving the relative transfer function and the relative tooth mesh excitation based on ramp noise measurements

    22nd International Congress on Sound and Vibration, Florenz

  9. 2012

    Vortrag

    Getriebe- und Systemakustik

    DAGA, Darmstadt, mit H. Naunheimer und weiteren

  10. 2012

    Vortrag

    Root cause analysis of acoustically suspicious transmissions during EOL testing

    7th International Styrian Noise, Vibration & Harshness Congress, SAE Technical Paper

  11. 1994

    Dissertation

    Ein Beitrag zur Detektion und Bewertung von kugelförmigen Einschlüssen mit holografischer Interferometrie

    VDI-Verlag

Dazu kommen über 15 Veröffentlichungen aus der Zeit der optischen Messtechnik: holografische Interferometrie an Klebverbindungen, Faserverbundbauteilen und Druckbehältern, jeweils gekoppelt mit Finite-Elemente-Rechnungen, darunter ein Beitrag im Handbuch Fertigungstechnologie Kleben.